Stabile Rugged-PC
Die kann nichts schocken!
Was für Kids die Schippe, das ist für den modernen und gerne offroad arbeitenden Taff-Jobber der Rugged-PC. „Rugged“ steht für rau, mit Riffeln und Kratzern versehen. Genau das soll den Ruggedized-PCs (RPC) allerdings nicht geschehen.

Die Rugged-Geräte können eine Menge wegstecken, sie sind langlebiger als „normale“ Laptops. Unter ROI-Aspekten also durchaus eine Überlegung wert.
Vielmehr sind sie so gebaut, dass sie für den Einsatz im Schlamm, Sand oder Regen bestens gerüstet sind. Apropos gerüstet: Wie bei vielen Innovationen ist auch bei PCs für den Außeneinsatz das Militär treibende Kraft hinter dem ultra-pervasive Computing. Wie Rheinmetall den Panzer, so haben auch Getac, Logic Instrument oder Armor – weniger martialische Variationen gibt es von Psion, Samsung, Panasonic oder Dell – Laptops und Tablets quasi kugelsicher gebaut. Das macht sie vor allem brauchbar für virtualisiertes Verteidigen und allemal nützlich für optimales Computern auf Baustellen, Flughäfen oder Schlachthöfen. Wie auch immer, rauh ist Trend. Genau wie der SUV auf den Straßen macht sich der RPC getragen zum Outdoor-Outfit breit, zum Rausholen, wenn alle anderen schon ins Trockene geflüchtet sind oder direkt am langen Arm. Erhebungen des Marktforschungsunternehmens VDC Research aus Natick, Massachusetts, zufolge geht der Anteil höhergelegter und mit kratzfestem Mattlack versehener Laptops beständig nach oben, Tendenz weiter steigend. Vor allem die semi-robusten Laptops steigen in der Gunst der Unternehmenseinkäufer. Denn diese Geräte sind einfach besser gegen Staub und Stürze gewappnet als normal verbaute Rechner.
Heiss, kalt, egal
Alexander Djemaa zufolge, Deutschland-Chef des französichen Anbieters Logic Instrument, profitieren die robusten Rechner derzeit von der sprunghaften Verbreitung der Tablet-PC. Wenn IT immer mobiler und unterwegs genutzt wird, steigt auch die Nachfrage für ausfallsichere Hardware. Die ist nicht nur gut gegen Hitze (bis zu plus 60 Grad), Kälte (minus 30 Grad), Staub und Wasser geschützt. Auch die Bildschirminhalte sind selbst dann noch gut erkennbar, wenn andere Screens mangels Schatten längst verblassen. Hierfür wird die Mattscheibe mit speziellen Filtern bedampft, eine zusätzliche Hintergrundbeleuchtung eingebaut sowie mattes Glas verwendet. Und damit die Festplatte bei plötzlicher oder unsanfter Bewegung nicht aussetzt, ist sie entweder schockgelagert oder durch eine Solid State Disk (SSD) ersetzt. Weitere Veredelungselemente sind die Akkus. Bei ihrer Herstellung gibt es aufgrund des Herstellungsprozesses immer eine kleine Anzahl von Energiespeichern, die einfach besser und belastbarer sind als der Rest der Charge. Nur die werden verwendet.
Alles zusammen hat natürlich seinen Preis. Während übliche Laptops schon für wenige hundert Euro zu haben sind, müssen für robuste Rechner zwischen 1500 und 2000 Euro, für ultra-unkaputtbare Boliden gerne auch mehr auf den Tisch gelegt werden. Hinzu kommt, so Djemaa, das Problem mit den Stückzahlen. Noch seien die rauen PC-Gesellen kein preiswert produzierbares Massenprodukt. Das Fieldbook A1 von Logic Instrument, ein robuster Outdoor-Tablet-PC, kann bei klirrender Kälte, bei stärkstem Regen und dank integrierbarer SSD auch in extremen Höhen und sogar bei salzhaltiger Luft eingesetzt werden. Angetrieben wird das Gerät von einer stromsparenden, leistungsstarken Intel Atom Z530-CPU mit 1,6 GHz. Bereits in der Grundversion verfügt das Fieldbook A1 über einen 2 GB großen Arbeitsspeicher, von welchem bei Bedarf bis zu 512 MB dem Grafikchip zur Verfügung gestellt werden. Das 7 Zoll große Display schafft eine Auflösung von 1024x600 Bildpunkten und der angezeigte Inhalt des Bildschirms dreht sich durch den integrierten Sensor automatisch mit. Ein sonnenlichtlesbares Touchscreen-Display ist bereits in der Basisversion integriert. Zertifiziert ist das Tough-Tablet nach der Industrienorm IP65 sowie nach dem Militärstandard MIL-STD810G.
Noch keine Massenware
Der taiwanesische Hersteller Getac hat jüngst eigenen Angaben zufolge den kleinsten und robustesten Android-Tablet-PC angekündigt. Der 7 Zoll Fully Rugged Tablet-PC Z710 soll 2012 auf den Markt kommen. Das IP65-zertifizierte Gerät soll Stürze aus einer Höhe von 1,50 Metern überstehen und spritzwasser-, sowie staubgeschützt sein. Der widerstandsfähige Winzling werde die Maßgaben des Militärstandards MIL-STD810G erfüllen und bei Temperaturen von minus 30°C bis plus 60°C arbeiten. Uwe Hennig (siehe Interview S. 54), Getac Country Director für Deutschland, Österreich und Schweiz, ist überzeugt, dass dieser Tablet völlig neue Nutzungsspektren erschließen wird, etwa bei Versorgungsunternehmen oder im Bau- und Dienstleistungssektor. Auch Henning sieht bei robusten Tablets den Nachahmereffekt: „Nutzer sind auf Geräte angewiesen, die eine hohe Flexibilität durch verfügbare Features, Kommunikation und Betriebssystem haben, aber auch die Einsatzmöglichkeit unter extremsten Bedingungen ermöglichen. Klar, dass sie bezahlbar bleiben müssen.”
Die Frankfurter Fraport AG wickelt ihre Bodenprozesse mit E100 Tablets von Getac ab, ultraleichten Geräten speziell für den Außendienst. Im Frühsommer 2011 waren bereits über 1.000 Stück im Einsatz, bis zum Jahresende sollen nochmals 300 hinzukommen. Haupteinsatzgebiet ist die Flugzeugabfertigung. Im Bereich Wartungsmanagement werden die zu wartenden Teile vor Ort überprüft und entsprechende Informationen ohne Medienbrüche unmittelbar weitergereicht. Bei Zustandskontrollen in den Terminals können z.B. Informationen über defekte Einrichtungen oder auffällige Gegenstände sofort weitergegeben werden. So tragen die Geräte nicht nur für den Komfort, sondern auch entscheidend für eine erhöhte Sicherheit bei.
Weiteres Aufgabenspektrum ist ihr Einsatz in Fahrzeugen wie in Passagierbussen, Gepäckfahrzeugen sowie Feuerwehr- oder Follow-Me-Fahrzeugen, befestigt auf entsprechenden Fahrzeug-Docking-Stations. Einsatzplanung und Kommunikation finden direkt über die Geräte statt und können im Bedarfsfall schnell und flexibel angepasst werden. Die Lebensdauer der Geräte beträgt durchschnittlich drei Jahre und die Neuanschaffungen konnten stark reduziert werden. Außerdem macht sich neben der Effizienz, die schon die „On Air“-Prozesse mit sich gebracht haben, die verminderte Arbeit bei Service, Garantieleistungen und allgemeiner Administration deutlich bemerkbar. So liegt das Einsparpotenzial nach den Worten von Christian Lojda, Leitung IT-Arbeitsplatzmanagement bei Fraport, in Summe deutlich im sechsstelligen Bereich.
Ausschließlich für den industriellen Einsatz gedacht ist der Omnii XT10 von Psion. Hierbei handelt es sich um einen modular konzipierten und robusten Mobilcomputer, der in allen Bereichen der Logistik zum Einsatz kommt. Er verfügt über die Schutzklasse IP65, was ihn unempfindlich gegenüber Staub, Schmutz, Spritzwasser und weiteren Umwelteinflüssen macht. Einen Sturz aus zwei Metern Höhe auf Beton übersteht er laut Anbieter unbeschadet. Durch diese Robustheit ist das Gerät auch für raue Arbeitsumgebungen geeignet und widersteht Stoßbelastungen und Vibrationen bei Lkw- oder Gabelstaplermontagen. Hinzu kommt eine optimierte Akkulaufzeit, die bis zu zwei Mal höher liegen soll als bei vergleichbaren Produkten.
Sicherheit und Komfort
„Wir denken, dass Multifunktionalität das Thema und der Trend der Zukunft sein wird,“ sagt Jürgen Heim, Geschäftsführer Psion GmbH. Für den Kunden sei es dabei wichtig, für künftige logistische Herausforderungen gewappnet zu sein. „Dies erreichen wir dadurch, dass unsere mobilen Computer eine hohe Modularität und Flexibilität aufweisen und dank unserer Open-Source-Mobility-Strategie an neue Entwicklungen und Prozesse angepasst werden können.“ Unter Open-Source-Mobility versteht Psion das Einbeziehen von Partnern, Kunden und Entwicklern bei der Konzeption seiner Handheld-Computer. Durch die Offenlegung der Quellcodes werden Produkte wie der Omnii XT10 oder der EP 10 stetig weiterentwickelt. Dieses Vorgehen eignet sich gerade für sehr individuelle Anforderungen. Damit wächst der Handheld-Computer mit den Bedürfnissen der Kunden, die wiederum von einer hohen Investitionssicherheit profitieren.
Der Transport- und Logistikdienstleister Dachser verwendet für die Kommissionierung im Lager eine maßgeschneiderte Anfertigung des Omnii XT10. Die Vorgabe des Anwenders war eine Anpassung der Tastatur. Dachser nutzt weltweit die standardisierte Systems Application Software (SAA) von IBM. Dieses Konzept sieht einheitliche Bedienoberfläche für Unternehmenssoftware vor, damit sich jeder Nutzer schnell zurechtfindet. Dies optimiert Arbeitsabläufe. Dazu zählt auch die einheitliche Belegung der zwölf Funktionstasten auf allen Endgeräten. Dank der Open-Source-Strategie war diese Anpassung möglich.
Auf eine ganz andere Art rau sind die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. Auch hier sind robuste PC in Verwendung. Das Toughbook CF-H2 Health von Panasonic ist wasserabweisend, trotzt Stößen und Stürzen und lässt sich desinfizieren. Ärzte und Krankenhauspersonal können direkt beim Patienten auf medizinische Berichte zugreifen sowie den Zustand des Patienten und seine Medikation dokumentieren. Prozesse im Gesundheitssektor lassen sich auf diese Weise effizienter abwickeln.
Das Toughbook CF-H2 Health wurde speziell für die problemlose Desinfektion entwickelt, um das Risiko von Infektionen zu minimieren. Durch den Verzicht auf einen Lüfter wird die Wahrscheinlichkeit verringert, Bakterien über das Gerät zu übertragen. Das CF-H2 hat eine glatte Oberfläche mit abgedichteten Tasten und bietet keine freiliegenden Anschlüsse. Der Hersteller entwickelte zudem ein spezielles Material für die Außenhülle, das das Reinigen mit bestimmten Desinfektionsmitteln übersteht.
In Summe, so sieht es Alexander Djemaa, erzielen Unternehmen durch den Einsatz robuster Notebooks und Tablet-PCs, welche die Produktivität steigern, die Anwendungsbereiche erweitern und Arbeitsprozesse in schwierigen Umgebungen sicherstellen, einen höheren ROI als mit gewöhnlichen Computern.
Bildquelle: Panasonic
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