22.02.2012
Strategy, Branche
Von: Guido Piech

André Lönne, HTC

Ein Android- Pionier

Seitdem HTC 2008 als erster Hersteller ein Smartphone mit Anroid-Betriebssystem auf den Markt brachte, hat das taiwanesische Unternehmen seinen Bekanntheitsgrad und Marktanteil ausgebaut. Wir sprachen mit André Lönne, der als Executive Director die Verantwortung für HTC in Deutschland, Österreich und der Schweiz trägt, über die Positionierung in einem schnelllebigen Geschäftsumfeld.


„Von Beginn an stand HTC in engem Kontakt zu Google und brachte als erster Smartphone-Hersteller überhaupt 2008 ein Android-Smartphone auf den Markt", erklärt André Lönne, Executive Director HTC in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Herr Lönne, welche Trends und bahnbrechenden Neuerungen werden wir 2012 und mittelfristig im Mobility-Umfeld sehen?
André Lönne:
Bei der Produktentwicklung spielt bei uns auch in Zukunft der Trend des „Mobile Shift“ – also die zunehmende Verlagerung von Services und Diensten vom PC auf das Smartphone – eine wesentliche Rolle. Mobile Endgeräte sollten sich auch durch erstklassige Performance, neue Formfaktoren, intuitive Bedienbarkeit und neue Technologien auszeichnen: Dabei werden wir uns in diesem Jahr vor allem mit Near Field Communication (NFC) und dem neuen Datenübertragungsstand LTE (Long Term Evolution) auseinandersetzen. Mit dem neuen Mobilfunkstandard lassen sich viel höhere Down- und Uploadraten erreichen. Das wird das mobile Leben nachhaltig verändern – egal ob im Business-, Lifestyle- oder Gamingbereich. Darüber hinaus wird der Trend, private Hardware auch in der Firma zu nutzen, kurz „Bring Your Own Device“ (BYOD), weiter zunehmen. Viele Unternehmen versprechen sich dadurch eine bessere Zusammenarbeit, mehr Flexibilität, höhere Produktivität und letztlich Umsatzwachstum.

Wo legt HTC derzeit seine Entwicklungsschwerpunkte?
Worauf kommt es bei der Konzeption neuer Endgeräte an?
Lönne:
Bereits Ende letzten Jahres haben wir mit dem Sensation XE und XL neue Töne bei Smartphones angeschlagen und den Sound in den Mittelpunkt gestellt: Die beiden mobilen Endgeräte bieten mit Beats Audio-Technologie Klangwiedergabe in Tonstudioqualität. Darüber hinaus gibt es bei den Kamerafunktionen ein enormes Entwicklungspotential, besonders durch die Verwendung hochwertiger Sensoren und Linsen. Im Softwarebereich spielen zudem neue Bearbeitungsprogramme eine Rolle, um das Fotografieren mit dem Smartphone etwa bei schwierigen Lichtverhältnissen zu optimieren und außergewöhnliche Effekte zu erzielen. Bereits beim HTC Titan als auch beim Sensation XL kommen diese Funktionalitäten zum Einsatz.

Was können Endgerätehersteller tun, um die immer schneller einsetzende Halbwertzeit der Devices wieder (etwas) zu verlängern?
Lönne:
Wir statten die mobilen Endgeräte mit einem Ökosystem an zusätzlichen Services aus, z.B. dem Streaming-Dienst HTC Watch bzw. die Evernote-Integration beim Tablet HTC Flyer, und bieten diesen so einen Mehrwert gegenüber den Mitbewerbern. Dadurch wird das Gerät länger im Markt positioniert. Daneben ist es wichtig, das aktuelle Portfolio an mobilen Endgeräten durch Software-Updates weiterhin attraktiv zu halten.

Inwieweit beeinflusst die vielzitierte „Consumerization of IT“
den Business-Alltag wirklich?
Lönne:
Unternehmen stehen hier vor der Herausforderung, bisher vorwiegend privat genutzte Endgeräte in ihre IT-Umgebung zu integrieren. Das ist aus technischer Sicht durchaus anspruchsvoll, vor allem wenn es um die Sicherheit geht. Aus diesem Grund arbeitet HTC eng mit dem Sicherheitsanbieter Three Laws Mobility (3LM) sowie weiteren verschiedenen Partnern zusammen, um das Thema Sicherheitslösungen und Device Management voranzutreiben.

Welche Rolle spielt die Cloud in den Mobile-Business-Konzepten
der Anwender?
Lönne:
Bei dem Zusammenspiel von IT-Leistungen – Infrastruktur, Plattformen und Anwendungen – spielt das Smartphone natürlich eine wichtige Rolle: Es ist Teil eines kompletten Ökosystems, das aus PCs, Notebooks und dazugehörigen Peripheriegeräten sowie Cloud-basierten Services besteht. So ist die Zahl an Business Apps für mobile Endgeräte stark gewachsen. Ein weiteres Beispiel ist beim Tablet HTC Flyer die Integration von Evernote, einer der weltweit führenden Anwendungen für das Erstellen von Notizen mit Cloud-Service.

In welchen Bereichen und mit welcher Intensität arbeiten Sie bei der Weiterentwicklung mobiler Funktionalitäten mit Software-Anbietern zusammen?
Lönne:
Wir arbeiten mit einigen Software-Partnern zusammen, vor allem in den Bereichen Mobile Device Management, Secure Enterprise Link und Android Device Security. Jüngstes Beispiel ist hier der Einsatz von HTC-Smartphones im Innenministerium: Die HTC-Geräte wurden eigens für die Nutzung im Ministerium mit einer Spezial-Software des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur sicheren Verschlüsselung der Daten ausgestattet.

Welche Betriebssysteme werden sich neben iOS und Android
in Zukunft behaupten?
Lönne:
Momentan konkurrieren mehrere unterschiedliche Systeme auf dem Markt – wie die herstellerübergreifenden Varianten Symbian, Windows Phone 7 oder Android sowie die herstellerabhängigen Varianten Bada, RIM OS, iOS sowie webOS. Anders als im PC-Markt dominiert bei den Smartphones noch kein Betriebssystem mit einem fast monopolistischen Marktanteil, trotzdem hat z.B. Android einen beispiellosen Erfolg im letzten Jahr verzeichnet und laut Gartner im dritten Quartal 2011 einen Marktanteil von 52,5 Prozent erreicht. Insgesamt schließen wir daraus, dass der Markt in Bewegung ist und sich schließlich die Betriebssysteme durchsetzen werden, die die meisten Nutzer überzeugen.

Genau da setzt auch HTC an: Bei uns steht der Nutzer – mitsamt seinen unterschiedlichen Bedürfnissen und Arbeits- und Lebensstilen – im Vordergrund. Daher ist das Produktportfolio bei HTC mit den beiden Säulen Android und Windows Phone 7 sehr ausdifferenziert, die verschiedenen Gerätedesigns sind auf die Bedürfnisse unterschiedlichster Anwendergruppen zugeschnitten.

Wie beurteilen Sie die Marktchancen von Windows Phone 7
bzw. Windows 8?
Lönne:
Mit der Markteinführung von Windows Phone 7 im Herbst 2010 hat Microsoft ein ganz neues Konzept eingeführt, das sich durch besonders große Benutzerfreundlichkeit und Eigenständigkeit auszeichnet und daher für viele Smartphone-Anwender attraktiv ist. Mit der neuen Version Windows Phone 7.5 sind viele neue Aktualisierungen dazugekommen. So konnte das Windows Phone 7 im Jahre 2011 solide Wachstumsraten verzeichnen. Laut den Prognosen von Marketwatch stehen auch in diesem Jahr die Zeichen auf Wachstum gut.

Wie lässt sich Ihrer Meinung nach verhindern, dass Android künftig eine ähnliche Fragmentierung erfährt wie Linux?
Lönne:
Wichtig ist, dass sich die Hersteller, die auf die offene Plattform von Google setzen, auf eine Basis einigen, die unkompliziert und unabhängig ist und von Google aktualisiert werden kann.

In welchem Austausch stehen Sie mit dem Android-Erschaffer Google, der als Geräteanbieter an der Etablierung eines „reinen Android“ interessiert sein könnte?
Lönne:
Von Beginn an stand HTC in engem Kontakt zu Google und brachte als erster Smartphone-Hersteller überhaupt 2008 ein Android-Smartphone auf den Markt. Zweifelsohne hat sich HTC mit dieser Pionierarbeit als Innovations- und Technologieführer etabliert.

Inwieweit spielt der Lifestyle- und Imagefaktor bei der Entscheidung von Unternehmen für einen Anbieter von mobilen Endgeräten eine Rolle?
Lönne:
Ob im Privat- oder Geschäftsleben: Menschen entscheiden sich für das, was sie emotional anspricht. Wir haben ein sehr emotionales Verhältnis zu unseren Telefonen entwickelt. Tagtäglich verbinden wir Schlüsselereignisse mit diesem Gerät, und dennoch hebt ein Großteil der Kommunikation in diesem Bereich lediglich auf die Funktionen ab. Die gesamte Designphilosophie von HTC ist dagegen sehr individuell.

Etwas Persönliches: Welche Smartphone/Tablet-Funktionalität nutzen Sie am häufigsten – einmal beruflich und einmal privat?
Lönne:
Ich nutze seit Jahren ein- und dasselbe Gerät für berufliche wie für private Zwecke. Im Geschäftsbereich nutze ich mein Smartphone vor allem für das Abrufen von Mails und Kalendereinträgen bzw. für das Schreiben von Notizen mit Evernote beim HTC Flyer. Wenn ich unterwegs bin, greife ich zudem auf viele Apps zurück, z.B. von Lufthansa oder der Deutschen Bahn. Sehr praktisch finde ich auf Reisen diverse News-Apps, die Papierzeitung reicht mir am Sonntag.


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