Stefan Hockenberger, Movilitas
Gelieferte Agilität
Die Rückverfolgbarkeit von Sendungen und Packstücken inklusive aktueller Statusermittlung und Sendungshistorie, das sogenannte Tracking und Tracing, spielt in vielen Branchen eine zunehmend wichtige Rolle. Stefan Hockenberger, Track & Trace-Experte beim Softwareanbieter Movilitas, erläutert die grundlegende Herangehensweise an ein solches Projekt.

„Bei vielen Kunden und Projekten hat es sich auch als sinnvoll erwiesen, das eher technische Thema Serialisierung von Produkten von dem eher prozesslastigen Thema der Nachverfolgung der Produkte in der Supply Chain zu trennen“, so Stefan Hockenberger, Track & Trace-Experte beim Softwareanbieter Movilitas.
Herr Hockenberger, welche Auslöser für die Initialisierung von Track & Trace-Projekten machen Sie in der Regel aus?
Stefan Hockenberger: Bis vor einem Jahr waren es in der Regel Unternehmen aus der pharmazeutischen Industrie, die aufgrund gesetzlicher Auflagen dazu verpflichtet sind, Produkte auf Artikelebene zu serialisieren und zu verfolgen. Inzwischen verspüren wir als Anbieter aber vermehrte Nachfrage von Unternehmen aus anderen Branchen, die sich Track & Trace-Projekten mit dem Ziel nähern, Prozessverbesserungen, Kundenbindung und Markenschutz zu verbessern.
Von welchen Unternehmensbereichen werden die Projekte Ihrer Erfahrung nach meist angestoßen?
Hockenberger: Unternehmen, die sich mit dem Thema Track & Trace auseinandersetzen, merken schnell, dass es eine globale Angelegenheit wird. Das Ganze ergibt nur Sinn, solange ein unternehmensweiter, einheitlicher Standard verfolgt wird und die eventbezogenen, serialisierten Informationen zentral gesammelt werden. Aus diesem Grund ist der Initiator in nahezu 100 Prozent der Fälle die zentrale IT-Abteilung.
Welche konkreten Zielvorgaben – Kostenreduzierung, Schnelligkeit, Agilität –
definieren Sie zusammen mit den Anwendern zu Projektbeginn?
Hockenberger: Wie erwähnt ist in vielen Fällen das Hauptziel immer noch die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen zum Schutz der Konsumenten oder der Marke. Ein weiteres sehr wichtiges Thema ist die durch die Transparenz in der Supply Chain gewonnene Agilität, also Prozessoptimierungen und bessere Steuerung der Warenflüsse. An dritter Stelle sehe ich momentan das Thema Kundenbindung durch entsprechende Loyalty-Programme.
Wie geht man bei der Konzeption einer Track & Trace-Lösung vor? Wie lange dauert der Design-Prozess?
Hockenberger: Das kann je nach Anforderungen und Umfang sehr unterschiedlich sein. Die Zahlen bewegen sich vom niedrigen zweistelligen bis in den niedrigen dreistelligen Bereich. Fakt ist, ein Track & Trace-Projekt steht oder fällt mit der Blueprint- und Design-Phase. Da es sich immer um globale Projekte handelt, ist es essentiell, zu diesem Zeitpunkt von allen Beteiligten Parteien eines Unternehmens rund um den Globus den entsprechenden Input zu bekommen. Man kann sich sicher vorstellen, dass dies bei komplexen Konzernen nicht immer ganz einfach ist. Aber nur so erspart man sich bei der späteren Umsetzung des Projektes ständige Change Requests.
Welche Rolle übernehmen Sie als Mobility & Service Dienstleister in dem Erstellungs- und Umsetzungsprozess?
Hockenberger: Movilitas bietet zwei von drei wichtigen Bestandteilen für Track & Trace-Projekte an. Zum einen bieten wir alle Services/Beratungsdienstleistungen von der Konzeption (Blueprint & Design) über die Implementierung bis hin zu Go-Live und Support. Zum anderen liefern wir mit unserer Software Movilizer eine generische, cloudbasierte und mobile Anwendungsplattform, für die ein speziell für Track & Trace-Systeme entwickelter Konnektor ausgeliefert werden kann.
Kunden können damit schnell und einfach die mobile Datenerfassung entlang des Track & Trace-Prozessflusses umsetzen. Dass wir in diesen Bereichen Experten sind, haben wir bereits in zahlreichen Kundenprojekten bewiesen. Dies zeigt auch die Bereitschaft unserer Kunden, an unserer alljährlichen Konferenz über die mit uns umgesetzten Projekte zu berichten. Ein Bereich, in dem wir nicht tätig sind, ist die technologische Ausstattung der Produktionslinien, um Artikel serialisieren zu können. Natürlich stellen wir in diesem Bereich eine Integration her, aber an die Linien selbst legen wir keine Hand an.
Was raten Sie Unternehmen, die ebenfalls vor der Implementierung einer solchen Lösung stehen? Was sollte man in jedem Fall beachten, welche Fehler sollte man von vorneherein vermeiden?
Hockenberger: Wie erwähnt, muss ein erfolgreiches Track & Trace-Projekt global aufgesetzt werden. Die Blueprint- und Designphase ist ausschlaggebend für den späteren Verlauf und die damit verbundenen Aufwände. Natürlich ist trotzdem ein stufenweiser Ansatz möglich, aber die Definition der Prozesse sollte ständig mit globaler Denkweise geschehen.
Hier ist es wichtig einen Partner zur Seite zu haben, der weiß, welche Fragen in dieser Phase gestellt werden müssen, um die nötigen Informationen für die Blueprint- und Designdokumente zu bekommen.
Bei vielen Kunden und Projekten hat es sich auch als sinnvoll erwiesen, das eher technische Thema Serialisierung von Produkten vom dem eher prozesslastigen Thema der Nachverfolgung der Produkte in der Supply Chain zu trennen. Natürlich muss hier eine Abstimmung existieren, aber das erste Thema kann dann von lokalen Experten aus den Produktionsstandorten und das zweite Thema von einem globalen Prozessteam betreut werden.
Fakten zur Track & Trace Conference 2011
Im Rahmen seiner zweiten Track & Trace-Konferenz brachte Movilitas im Oktober 93 Teilnehmer aus der ganzen Welt zusammen. In 19 Vorträgen berichteten Referenten u.a. von Daimler, BASF, Evonik, Orica, Syngenta, British American Tobacco, Boehringer Ingelheim, Novartis, GS1, Ministry of Health Italy, Motorola, Bayer Technology Services, Camelot IT Lab, European Directorate for the Quality of Medicines & HealthCare (EDQM) and the German Pharmaceutical Industry Association (BPI e.V.) über ihre jeweiligen Projekte und Anforderungen. Für 2012 ist die 3. Konferenz geplant, ein Datum steht noch nicht fest.
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