Sicherheit
Hip, mobil, unsicher - Path und das Smartphone
Der aufsteigende Star unter den sozialen Netzwerken war Path. Das nur auf Mobilgeräten vertretene Netz hat allerdings blitzschnell Vertrauen verloren.

Path, das soziale Netzwerk nur für Smartphones
Es hätte eine Traumgeschichte sein können: Ein kleines, aber feines soziales Netzwerk ausschließlich für Smartphones, ganz wunderbar für den intimen Austausch in einem echten Freundeskreis. Doch es endete als Datenschutzalbtraum
Netzwerk für Freundeskreise
Die Rede ist von Path, der ehemaligen (?) Lieblings-App der urbanen Hipster. Das Unternehmen von Dave Morin wollte das Prinzip der sozialen Netzwerke auf ihre ursprünglichen Idee zurückführen: Bei Path sind nur maximal 150 Freundschaften erlaubt und es dient vorwiegend dem Austausch von Nachrichten, Fotos, Statusmeldungen und Musiktipps. Dabei ist alles nur sichtbar für die Freunde und für niemand anderen.
So ein Netzwerk ist von vorherherein als Nischenprodukt geplant, denn es bietet keine Ansatzpunkte für "Social Media Spam" und Kontaktesammler, die auf Geschäfte aus sind. Path ist ideal für echte Freundeskreise, die online Kontakt halten wollen. Außerdem ist es auch für Gruppen anderer Art als Kommunikationshilfe geeignet, zum Beispiel für Vereine.
Das Aufwachen auf dem Social-Media-Traum war schmerzhaft: Vor ein paar Tagen hat der aufmerksame Programmierer Arun Thampi entdeckt, dass Path alle auf dem iPhone vorhandenen Adressdaten an seine eigenen Server verschickt - ohne Nachfrage und ohne weitere Information.
Danach schwappte eine Protestwelle über Path-Geschäftsführer Dave Morin hinweg. Zuerst hatte er noch versucht, die erbosten Path-Nutzer zu beschwichtigen. Doch schon nach kurzer Zeit war deutlich, dass es ohne eine klare Reaktion nicht geht. Die Lösung des Herstellers war konsequent: Alle Daten werden gelöscht und Morin entschuldigte sich öffentlich.
Da viele Nutzer über andere soziale Netzwerke angekündigt hatten, den Dienst sofort zu verlassen, dürfte die Größe des Problems schon an der Benutzerstatistik erkennbar gewesen sein. Die Entwicklung der nächsten Wochen wird zeigen, ob Path die verlorene Reputation wiederherstellen kann.
Die Hersteller sind gefragt
Aus der bisherigen Entwicklung des Skandals lassen sich zwei Lehren ableiten. Die erste Lehre gilt allen Unternehmen, denen ein fragwürdiges Verhalten nachgewiesen wird: Nicht erst Herumeiern, sondern sofort alles zugeben und die Folgen möglichst rasch beheben.
Die zweite Lehre betrifft den Umgang mit dem Smartphone: Offensichtlich machen es die Hersteller der Betriebssysteme zu einfach, Daten auf dem Gerät ohne Zustimmung des Nutzers auf irgendwelche Server im Internet zu schleusen. Der Path-Skandal ist nicht der einzige seiner Art. Auch andere Apps hatten schon illegale Datenströme aufgebaut.
Hier sind Apple und Google, aber auch Microsoft und RIM gefragt. Das Versenden von wichtigen persönlichen Daten aus dem Adressbuch oder von anderen Speicherorten sollte nur nach einer Bestätigung auf auf Systemebene möglich sein - dadurch kann niemand diese Abfrage "vergessen".
Auf dem PC klappt das doch auch: Facebook versucht seit Jahren, seine Benutzer zum Auslesen des Outlook-Adressbuchs zu animieren, um sich mit noch mehr Leuten zu befreunden. Der Browser erlaubt nämlich kein automatisches Auslesen von Daten auf der Festplatte. Wer seine Ruhe und Sicherheit haben will, lehnt diese Anfrage natürlich ab.
Bildquelle: Path
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