Thorsten Heier, Logismo
Imagezuwachs und Prozesssicherheit
Interview mit Thorsten Heier, Geschäftsführer des Logistikdienstleisters Logismo, über die Einführung einer mobilen Datenkommunikationslösung im Unternehmen, die ein lückenloses Liefermanagement sicherstellt

Thorsten Heier ist Geschäftsführer der Logismo GmbH.
Herr Heier, vor welchem Hintergrund hat sich Logismo für die Einführung einer mobilen Datenkommunikationslösung entschieden?
Thorsten Heier: Es gab zwei Gründe: Zum einen stand die Objektivierung des Abliefernachweises im Mittelpunkt. Denn in der Möbellogistik sind Lieferscheine relativ komplex in ihrem Aufbau und somit auch in ihrer Lesbarkeit für das entladende Fahrerteam. Eine Küche z.B. besteht aus ungefähr 40 Teilen – angefangen bei der kleinen Blende bis hin zum großen 120-Kilogramm-Schrank. Diese relativ bunte Artikelstruktur muss jeder Fahrer beherrschen, ist aber in einem Lieferschein nicht immer einfach darstellbar. Über einen Ablieferscanner kann dies objektiviert werden, und der Abliefernachweis wird dadurch stichhaltiger als es zuvor in der Papiersituation durch das Abhaken der Lieferscheinpositionen möglich war.
Zum anderen galt es, die Warenwirtschaft zu vervollständigen, so dass eine durchgängige Logik – von der Produktion, über den Versand bis in das Lager des Empfängers hinein – gegeben ist. Denn wichtig ist nicht nur das Entladen der Packstücke, sondern auch die Dokumentation der Kommissionierleistung; in diesem Falle ist das die Sicherstellung des Zusammenhalts aller Teile einer Kommission. Wenn die 40 Einzelteile einer Küche bei einem Möbelhaus entladen werden, müssen sie in einer gewissen Form auf der gleichen Entladeeinheit (z.B. Corlette oder Möbelhund) zusammenbleiben. Denn wenn nur ein Teil auf einer Entladeeinheit einer anderen Kommission landet, wird es als Fehlteil gewertet und kann nicht mehr zum Montageauftrag der richtigen Küche zugeordnet werden.
Wie gestalteten sich die Entladeprozesse?
Heier: Generell ist es so, dass alle Fahrer – bevor sie ihre erste Möbeltour fahren können – auf das Papier- und Artikelhandling in der Praxis geschult werden müssen. Im Entladeprozess muss jedes Fahrerteam – in der Möbellogistik sind sie in der Regel zu zweit – in der Lage sein, die Packstücke in einer vorgegebenen Reihenfolge auf die genannten Entladeeinheiten wie Corletten oder Möbelhunde zu entladen. Dabei muss insbesondere die Kommissionsreihenfolge eingehalten werden; unabhängig davon, wie die Packstücke im Container gestaut sind, denn bei der stauraumoptimierten Beladung gibt es auch Packstücke, die anders geladen werden müssen als man es in einer entladeoptimierten Reihenfolge erwarten würde. Denken Sie dabei an eine vier Meter lange Arbeitsplatte oder einen großen Eckunterschrank!
Mittlerweile werden die Fahrerteams unserer Frachtführer durch entsprechende Technik unterstützt. Wenn ihnen dennoch ein Kommissionierfehler passiert, meldet sich das Gerät und fordert sie zur sofortigen Korrektur auf.
Welchen konkreten Anforderungen sollte die neue Lösung gerecht werden?
Heier: Besonders wichtig sind uns zwei zusätzliche Datenebenen, so dass wir nicht nur stoppweise scannen können, sondern uns auch die Untergruppierungen „Kommission“ und „Entladeeinheit“ zur Verfügung stehen. Damit können wir eine lückenlose Dokumentation nicht nur der Entladetätigkeit, sondern auch der Kommissioniertätigkeit des Fahrerteams sicherstellen und jedes Packstück mit einer Entladeeinheit, der Corlette, dem Möbelhund oder dem Lagerplatz des Empfängers, verheiraten.
Wie viele Anbieter befanden sich in der engeren Auswahl?
Heier: Auf unsere Ausschreibung haben sich fünf Anbieter gemeldet.
Warum haben Sie sich für Acteos entschieden?
Heier: Der Anbieter hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine große Kompetenz im Einsatz und der Prozessintegration mobiler Einheiten. Acteos war beispielsweise damals eine der ersten Firmen im Bereich der mobilen Datenübertragung via XML-Protokoll, welches über bestimmte Komprimierungstechniken verfügte. Da jedes Byte im GSM-Netz damals noch Geld kostete – die Zeit der Flatrates war noch nicht gekommen –, spielte auch dieser Kostenfaktor eine Rolle bei der Anbieterauswahl.
Die Tracking- und Tracing-Lösung Logeye, installiert auf Handhelds von Motorola, wurde für Sie modifiziert. Was bzw. wie viel musste konkret angepasst werden?
Heier: Die bereits erwähnten, zusätzlichen Datenebenen mussten für uns eingerichtet werden. Die Oberflächen mussten auf die Prozesse und Nutzer angepasst, die Abläufe möglichst selbsterklärend und ergonomisch gestaltet werden.
Welchen Zeitraum nahm die Einführung der neuen Lösung in Anspruch?
Heier: Die Einführung dauerte insgesamt ungefähr ein Jahr. Parallel zu unserer Implementierung führte Microsoft gerade das Betriebssystem Windows Mobile 5.0 ein. Die Datenbanken auf unseren Handhelds mussten daraufhin nochmals angepasst werden, um die gewünschte Performance bei den Antwortzeiten zu erhalten. Dies hatten wir nicht als zeitkritisches Problem eingeplant.
Gab es noch weitere Probleme?
Heier: Nein. Der Einführungsprozess verlief insgesamt recht normal. Wir investierten einiges an Zeit, um die neue Lösung im Hinblick auf Ergonomie und Haptik bestmöglich an die Fahrer anzupassen. Die Software sollte schließlich 1:1 zu den Bedienern und den im Handel üblichen Prozessen passen, um die entsprechende Akzeptanz bei den Fahrern zu schaffen.
Wie haben die Fahrer die neue Lösung angenommen?
Heier: Ein paar LKW-Fahrer hatten anfangs Probleme bei der Nutzung der Handscanner, die sie plötzlich zu Computeranwendern machten. Denn einige Fahrer verfügten auch zu Hause über keine Computerausstattung und mussten sich zunächst an den Umgang mit dem technischen Begleiter gewöhnen. Aber nach einem gewissen Gewöhnungsprozess stellten sie fest, dass die neue Lösung im Hinblick auf Image und Prozesssicherheit einen großen Vorteil beim Kontakt mit den Kunden bietet.
Ferner wurde anfangs stark diskutiert, ob die Entladeprozesse verlangsamt oder beschleunigt werden. Die Diskussionen hatten sich aber innerhalb von drei bis vier Monaten erübrigt, denn die Prozesse wurden trotz der umfangreicheren Dokumentation unterm Strich schneller.
Zudem ist im Verhältnis zwischen Fahrern und Warenannehmern eine deutlich größere Professionalität spürbar. Beide besitzen aufgrund der neuen Technik ein ganz anderes Vertrauen zu dem Entladeprozess. Mit den neuen Geräten fühlen sich alle sicherer bei ihrer Arbeit, da sich hinter den Scannern eine strenge Prozesslogik verbirgt.
Wie viele Motorola-Scanner sind bei Ihnen im Einsatz?
Heier: Momentan sind es 40 Geräte. Wir setzen diese gezielt bei unseren Lieferschwerpunkten in Deutschland und in der Schweiz ein. Roaming-Kosten haben bisher den europaweiten Ausbau gehemmt; aber hier ändert sich die Preislandschaft ja gerade.
Welche Rolle spielt für Sie das Thema Datensicherheit und wie wird diese vom Anbieter gewährleistet?
Heier: Die Daten werden verschlüsselt übertragen. Doch eigentlich sind die einzelnen Datenpakete wertlos, weil sie keine auswertbaren Informationen auf der Zeitachse beinhalten. Anders ist das natürlich beim Kommunikationsserver. Dieser wird daher besonders geschützt.
Inwiefern ist der Einsatz der neuen Lösung bereits für Ihre Kunden spürbar?
Heier: Wie gesagt erhöht der Einsatz der Ablieferscanner die Prozesssicherheit für alle Beteiligten – und nicht nur für die Fahrer – erheblich. Sollte mal ein Packstück nach der Entladung beim Empfänger nicht sofort gefunden werden, können wir ihm vom Dispositionstisch aus nicht nur sagen, dass es entladen wurde, sondern auch wohin. Dies kann unter Umständen dann „die schnellste Nachlieferung der Welt“ sein.
Unterstützt wird dies durch die Online-Verfügbarkeit der Entladeprotokolle, woraus sich der Kommissionierprozess auch später jederzeit nachvollziehen lässt.
Lassen sich die Prozessverbesserungen durch die neue Datenkommunikationslösung in Zahlen ausdrücken?
Heier: Der Grad der Fehlkommissionierung wurde durch den Scannereinsatz auf nahezu Null gesenkt. Die Entladegeschwindigkeit hat sich je nach Fahrer um zwei bis fünf Prozent erhöht. Den Fahrern wird ein deutlicher Imagezuwachs im Umgang mit den Empfängern zuteil, da sie mit den Scannern eine hohe Prozesssicherheit bieten können. Außerdem können wir unseren Verladern Zeitvorteile bieten, wenn es um konkrete Informationen für eine reklamationsbedingte Nachproduktion und Nachlieferung von Artikeln gehen sollte.
Logismo GmbH
Marke: Logismo Möbellogistik
Branche: Möbellogistik: Logistikberatung entlang der gesamten Lieferkette; Projekt-, Frachteneinkauf- und Fuhrparkmanagement; Tourenplanung, Tourensteuerung, Datenmanagement; Outsourcing
Gründungsjahr: 1994
Standorte: Pfullendorf, Coswig, Brilon und Alsfeld
Mitarbeiterzahl: 50
Transport: ca. 300.000 Küchen-, Bad- und Büromöbelkommissionen oder über eine Millionen beförderte Kubikmeter pro Jahr
Fahrer: ca. 350 in Europa
Website: www.logismo.de
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