15.11.2011
Logistik und Lagerverwaltung
Von: Tillman Braun

Automatischer Informationsaustausch mittels M2M-Lösungen

Kontrollierte Laster

Spediteure wissen dank moderner M2M-Lösungen jederzeit, wo sich ihre Asphaltcowboys aufhalten.


Derzeit gibt es wohl kaum eine Technologie, die für mehr Aufsehen sorgt als M2M. Seitdem neue Anwendungsszenarien und branchenübergreifende Partnerschaften den Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen, entdecken immer mehr Industriezweige den automatischen Informationsaustausch zwischen Maschinen für sich.

Und glaubt man den Experten, wird aus diesem Boom in den nächsten Jahren ein Milliarden-Markt. Vorreiter von M2M-Anwendungen ist sicherlich der Bereich Lager und Logistik. Schon seit vielen Jahren wird gerade der Bereich von Lager und Logistik durch M2M Anwendungen geprägt. Hier wurden bereits in den frühen Anfängen Datenübertragungssysteme, etwa auf Basis von Datenfunk oder Infrarot eingesetzt. Mit den jetzt verfügbaren technischen Lösungen werden die auf M2M basierenden Netzwerke über die Lageranwendungen hinaus auf die Strasse zu den Spediteuren  erweitert. Eine lückenlose Kommunikation und Information ist nun für alle Beteiligten mit wenigen Klicks vorhanden. Somit wird die komplette Kette, angefangen vom Hersteller, über die Auslieferung bis hin zum Endkunden abgedeckt.

Bestes Beispiel, wie M2M effektiv eingesetzt werden kann, ist der Bereich Lager und Logistik. Typischerweise zeichnen sich leistungsfähige Lagerverwaltungs- und Logistiksysteme durch den Einsatz von IT, Flottenmanagementsystemen und drahtloser Datenübertragungstechniken innerhalb der Lagerkommunikation aus.  „Durch den Einsatz von M2M-Lösungen kann der Spediteur sehen, wo sich seine Fahrzeuge aufhalten, gegebenenfalls Staus ausweichen und online seine Ware tracken“, erläutert Eric Schneider vom unabhängigen Branchenverband M2M Alliance. „Sogar der Fahrstil einzelner Fahrer lässt sich ermitteln, sodass gezielt auf spritsparende Fahrweise Einfluss genommen werden kann.“

Und was für die Straße gilt, lässt sich auch auf die Lagerung übertragen. „Innerhalb des Lagers findet die Kommunikation zwischen Logistikleitstand, Flurförderfahrzeugen und Komissionierer drahtlos mit Hilfe von Barcodes, NFC, RFID und Datenfunk statt“, beschreibt Schneider die Situation in den Betrieben. „Wenn die Möglichkeiten dieser modernen Techniken richtig und konsequent genutzt werden, erreichen ihre Anwender im allgemeinen Rationalisierungseffekte von 20 bis 50 Prozent.“ Und so setzen immer mehr Firmen auf derartige Lösungen.

Mobilfunk kurbelt M2M-Markt an

Vor allem die Übertragungstechnologie Mobilfunk kurbelt den M2M-Markt massiv an. Allein im größten M2M-Markt Europa waren 2010 bereits knapp 30 Millionen Geräte mittels SIM-Karten verbunden. Das entspricht einem Zuwachs von 43 Prozent innerhalb eines einzigen Jahres. Weltweit waren es gar über 80 Millionen Maschinen. Angesichts dieser Zahlen überrascht es nicht, dass die Telekom Austria kürzlich die Gründung einer eigenen M2M-Tochter bekannt gegeben hat. Ziel der „Telekom Austria Group M2M“ ist laut deren Leiter Bernd Liebscher unter anderem, neue Ideen und Partnerschaften zu entwickeln, um den positiven Trend weiter fortzusetzen. „Zurzeit gibt es noch zu viele Insellösungen“, bemängelt Bernd Liebscher. „Gelingt es, zukünftig auch andere Unternehmen wie Gas- und Stromversorger mit einzubeziehen, werden alle Seiten davon profitieren“, ist er sich sicher. „Kunden wollen schließlich kein M2M sondern Komfort.“ Gehen die Pläne auf, könnten aus den 500.000 M2M-SIM-Karten, die die Telekom Austria derzeit in insgesamt acht Ländern im Einsatz hat, bald schon wesentlich mehr werden. Zumal im Vergleich zum Vorjahr der Absatz im M2M-Bereich bereits ohne das neue Tochterunternehmen verdoppelt werden konnte.

„Die Branche hat sich stark gewandelt“, bestätigt Eric Schneider. „Einzelne Unternehmen und mitunter ganze Branchen, die vor wenigen Jahren noch vor M2M zurückgescheut sind, sehen in ihr nun eine Schlüsseltechnologie für nachhaltiges Wachstum.“ Das spiegele sich auch in der M2M-Branche wider: Für das laufende Jahr rechnet Eric Schneider mit einem Wachstum von über 30 Prozent. „Bedenkt man, dass M2M in vielen Branchen noch gar nicht richtig bekannt ist, beziehungsweise es mancherorts noch an der nötigen Akzeptanz fehlt, werden sich diese Zahlen in Zukunft sogar noch deutlich vergrößern“, so die Prognose des Experten. Trotz der globalen Erfolge ist der M2M-Bedarf eher auf regionaler Ebene zu finden. Kooperationen mit lokalen M2M-Anbietern sind für die Mobilfunkbetreiber folglich der Schlüssel zum Erfolg. Und so setzen die Netzbetreiber vermehrt auf kompetente Partner mit entsprechendem Know-how in der Branche und gutem Kontakt zu den Endkunden. Anders als beim klassischen Mobilfunkgeschäft sind die Provider hierbei durchaus dazu bereit, Partnerunternehmen in speziellen Fällen direkten Zugriff auf ihre Infrastruktur zu gewähren, um etwa neue Funktionen hinzuzufügen oder SIM-Karten zu aktivieren. Bei der Telekom Austria habe sich diese Strategie bereits bewährt, bestätigt  Bernd Liebscher.

Nicht zuletzt weil die Technologie zwar ausgereifter aber auch immer komplexer wird und die Anforderungen an die M2M-Lösungen immer größer werden, gibt es bislang erst wenige (Beratungs-) Unternehmen, die das nötige Know-how für M2M mitbringen. „Um das volle Potential auszuschöpfen, das M2M für Mobilfunknetzbetreiber bietet, müssen schon heute die richtigen Weichen gestellt und sehr viele Prozesse für externe Partner geöffnet werden“, erläutert Oliver Hüttig, Vorstand beim Beratungs- und Dienstleistungsspezialisten Cocus AG. „Eine gute Beratung allein reicht bei M2M nicht aus. Stattdessen ist handfeste Hilfe bei dem Erarbeiten neuer Prozesse und Definieren neuer Schnittstellen nötig, z.B. für das eigenständige Aktivieren und Konfigurieren von SIM-Karten in M2M-Modulen durch den Kunden. Der Markt wächst zu schnell und individuell, um ohne eigene Automatisierung und Prozesse von Seiten der Netzbetreiber bedient zu werden“, betont Hüttig.

Marktpotential stellt M2M-Industrie vor Luxusproblem

An ganz andere Grenzen könnte die M2M-Branche schon in wenigen Jahren stoßen. Glaubt man einer Studie von Ericsson, werden in einem Jahrzehnt bereits 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein. Die heutige Infrastruktur wäre hierfür bei weitem nicht ausreichend. Es liegen also trotz aller Erfolge der letzten Jahre noch große Herausforderungen und vor allem viel Arbeit vor den Unternehmen. Angesichts des Marktpotentials handelt es sich hierbei jedoch um ein Luxusproblem, um das viele andere Branchen die M2M-Industrie beneiden dürften.

Bildquelle: © iStockphoto.com/Doug Berry


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