15.11.2011
Branche, M-Commerce
Von: Ina Schlücker

Norbert Rickert, Motorola Solutions

Neues Einkaufserlebnis dank mobiler Lösungen

Interview mit Norbert Rickert, Sales Director Central Europe bei der Motorola Solutions Germany GmbH


Norbert Rickert, Sales Director Central Europe bei der Motorola Solutions Germany GmbH

Welche Chancen und Potentiale sehen Sie derzeit für den Einsatz mobiler Lösungen im Lebensmitteleinzelhandel?
Norbert Rickert: Der Einsatz mobiler Lösungen entscheidet im Einzelhandel bereits heute über das Einkaufserlebnis von Kunden, die Produktivität von Mitarbeitern und die Effizienz der Lieferkette. Damit sind mobile Kommunikationslösungen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden. Ihre Bedeutung wird in Zukunft weiter zunehmen – und zwar in dreifacher Hinsicht: Erstens werden sich portable Shoppinglösungen als zentrale Säule für den Einkauf etablieren, weil sie die Kundenzufriedenheit durch eine rasche Abfertigung an der Kasse steigern. Zweitens können Einzelhandelsmitarbeiter mit widerstandsfähigen Unternehmens-Tablets den Käufern eine umfassende Servicequalität und weiterführende Echtzeitinformationen bieten, wie sie dies aus dem Internet gewohnt sind. Drittens sorgen besonders robuste mobile Computer und RFID-Technologien für mehr Transparenz in der Logistikkette sowie eine schnelle und genaue Bestandserfassung im Lager und auf der Verkaufsfläche.

Inwiefern können sich die Verbraucher via Smartphones und Tablets über die Herkunft, Produktion und Zusammensetzung von Lebensmitteln informieren?
Rickert: Verbraucher verschaffen sich heute einen genauen Überblick über Produkte und Preise, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen. Umso wichtiger ist es, dass Mitarbeiter im Einzelhandel auf dem gleichen Informationsstand sind wie ihre Kunden und dass sie diesen vor Ort weitere Hintergrundinformationen und Serviceleistungen bieten können, um eine Kaufentscheidung zu ihren Gunsten zu erzielen. Professionelle mobile Computer und Tablets wie das ET1 von Motorola ermöglichen Mitarbeitern im Einzelhandel, ihren Kunden direkt im Verkaufsraum diesen Service zu bieten. Im Gegensatz zu Konsumergeräten zeichnen sich diese Unternehmenslösungen durch eine hohe Robustheit, eine deutlich längere Produktverfügbarkeit, umfassenden Service, höchste Sicherheit, eine bestmögliche Geräteverwaltung sowie eine Reihe branchenspezifischer Zubehörlösungen aus.

Gibt es für diese professionellen mobilen Kommunikationslösungen bereits passende branchenspezifische Applikationen – vergleichbar mit Apps aus dem Konsumerbereich?
Rickert: Passend zum Einsatz mobiler Kommunikationslösungen im Einzelhandel gewinnt der kosteneffiziente Einsatz professioneller Applikationen für Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Damit Kunden ihre Anwendungen über unterschiedliche Gerätegenerationen und Betriebssysteme hinweg nutzen können, hat Motorola ein neues HTML5-basiertes Entwicklerframework entwickelt, das es Entwicklern ermöglicht, Geschäftsanwendungen für die etablierte Windows Embedded Handheld Plattform zu entwickeln und diese, ohne zusätzlichen Aufwand, ebenso auf Geräten mit anderen Betriebssystemen, wie z.B. Android, zu nutzen – und zwar unabhängig von der Displaygröße und den Endgerätetypen.

Stichwort Mobile Couponing: Laut einer aktuellen Studie beschränken sich die Erfolge von Mobile Couponing auf „einfach“ strukturierte Branchen wie Systemgastronomie oder Coffee Shops – warum hinkt der Lebensmitteleinzelhandel noch hinterher?
Rickert: Dies wird sich rasant ändern. Denn mobile Couponing ist nach dem Wegfall des Rabattgesetzes in Deutschland ein wichtiger Trend, der hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt. In den nächsten Jahren werden sich die Einsatzbereiche stark erweitern und mobile Couponing wird sich auch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) durchsetzen, vor allem durch die wachsende Ausbreitung von Location-based-Services und die ständige Verfügbarkeit von digitalen Bonuskarten durch Mobiltelefone. Konsumenten erhalten damit auf ihre Interessen abgestimmte Angebote, die zu einer Erhöhung des Kundenservice beitragen. Auch die notwendige Scan-Technologie wird mit dem wachsenden Einsatz von Imagern immer mehr zur Selbstverständlichkeit im LEH. Sie sorgen für eine schnelle Erfassung von 1D- und 2D-Barcodes auf Displays von Smartphones und Handys.

Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Mobile-Couponing-Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel? Was bedeutet dies für die Kaufprozesse am Point of Sale?
Rickert: Kassierer im Supermarkt oder Discounter müssen pro Tag mehr Mobile-Couponing-Vorgänge bewältigen als dies in anderen Branchen der Fall ist. Somit benötigen sie schnelle, zuverlässige und leistungsstarke Imaging-Lösungen, die sich leicht bedienen lassen. Wir haben daher besonders leistungsfähige Imager entwickelt, die sich sowohl im Freihandbetrieb als auch mobil nutzen lassen und problemlos die digitalen Coupons von Mobiltelefondisplays einscannen.  

Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir in zehn Jahren unsere Lebensmittel einkaufen?
Rickert:Für Verbraucher wird der Multichannel-Einkauf künftig eine Selbstverständlichkeit sein. Für den klassischen Einzelhandel bedeutet das, dass sie ihren Kunden im Geschäft eine höhere Servicequalität anbieten müssen, um im Wettbewerb zu bestehen. Dies lässt sich langfristig durch verstärkte Invesitionen in mobile Technologien erreichen. Dies bestätigt auch die aktuelle Studie des EHI Retail Institutes „IT-Trends im Handel 2011“. Demzufolge werden Handelsunternehmen in den nächsten Jahren verstärkt in mobile Datenerfassungs- und Self-Scanning-Lösungen sowie Mobile-Payment-Systeme investieren. Indem Kunden während des Einkaufs umfassende Produktinformationen zur Verfügung stehen, mobile Lösungen eine bestmögliche Warenverfügbarkeit sicherstellen und der Checkout an der Kasse beschleunigt werden, bieten professionelle Kommunikationslösungen für den Einzelhandel eine entscheidende Basis für die zukünftige Wettbewerbsposition.


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